W5 [zurückgezogen] Ernährungswende – die Folgen der Nutzviehhaltung reduzieren

Status:
Zurückgezogen

Die Jusos setzen sich für einen drastischen Wandel in der industriellen Nutztierhaltung ein. Dahingehend wollen wir, dass

  • die Mehrwertsteuer auf Pflanzliche Produkte auf 7% gesenkt wird.
  • die Subvention von Tierischen Erzeugnissen langfristig gestoppt wird.
  • Importe von tierischen Erzeugnissen und Futtermittel aus Südamerika eingedämmt werden, insbesondere solange der Regenwald gerodet wird.
  • Entwaldungsfreie zertifizierte Lieferketten für den Import von Futtermittel verpflichtend wird.
  • für den Menschen besonders wichtige Reserveantibiotika in der industriellen Tierhaltung verboten werden.
  • Ausstiegsprogramme für Mäster*innen nach dem Vorbild der Niederlande entworfen wird.
  • Ersatzprodukte und In-vitro-Fleisch subventioniert wird.
  • die Nutztierhaltung und dessen Erzeugnisse nicht mehr für den Export ausgerichtet wird.
  • Drittstaatentransporte verboten werden.

„Die großen Agrarkonzerne versuchen, die negativen Auswirkungen der Fleischproduktion unter den Teppich zu kehren.“  [1]

Die industrielle Viehzucht ist nicht mehr zeitgemäß. Sie ist ineffzient, zerstörerisch, menschenverachtend und vernichtet kostbare Ressourcen. Die Viehhaltungssysteme bedecken 45% der gesamten Landfläche der Erde. Dabei verschlingt diese Industrie mehr Wasser und Nahrungsmittel, als die Menschheit selbst konsumiert. Daraus resultiert, dass die Viehzucht deutlich mehr Kalorien verbraucht, als sie am Ende für den menschlichen Verzehr bereitstellt. [2]

„Nach einer Berechnung des UN-Umweltprogramms könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.“ [3]

Laut der Studie „Livestock and climate change: what if the key actors in climate change are… cows, pigs, and chickens?“ fallen bis zu 51% der weltweiten Emissionen auf die Nutzviehhaltung und dessen Folgen zurück. [4] In der Farm to Fork Stategie der Europäischen Union heißt es: „Die Landwirtschaft ist für 10,3% der Treibhausgasemissionen der EU verantwortlich, von denen fast 70% aus der Tierhaltung stammen. Es handelt sich dabei nicht um CO2, sondern um Methan und Distickstoffoxid. Darüber hinaus werden 68% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche für die tierische Erzeugung genutzt.“ [5] Insbesondere Methan und Lachgas stehen hier im Vordergrund. Laut Umweltbundesamt ist Lachgas 300-mal und Methan rund 25-mal klimaschädlicher als CO2. Zur Reduktion empfiehlt das Umweltbundesamt: „Eine Veränderung der Ernährung und die damit einhergehende Verringerung der Tierbestände bei den Wiederkäuern ist die effizienteste Maßnahme, um Methanemissionen zu reduzieren.“ [6]  Im konkreten heizt die Viehhaltung die Klimakrise an, indem Regenwaldflächen für Futtermittel und die Erzeugung tierischer Produkte abgeholzt und diese unter anderem nach Europa verkauft werden. [7] Die Tierhaltung ist für bis zu 91% der Zerstörung des Amazonas verantwortlich. [8]  Dabei sind Regenwälder besonders wichtig, da sie als Kohlenstoffspeicher fungieren und zudem eine hervorragende Artenvielfalt aufweisen.

Hinzu kommt die Gefahr von Pandemien, Zoonosen und multiresistenten Keimen. Die Schweinegrippe ist nur eins von vielen Beispielen. Die Antibiotika-Verbrauchsmengen in der Mast in den vergangenen Jahren sind zwar rückläufig und die Bundesregierung strebt mit dem DART-Projekt einen besseren Umgang an, dabei wird aber außer Acht gelassen, dass es immer noch nicht ausreicht, um Risiken relevant zu eliminieren. In der EU infizieren sich jährlich circa. 671.000 Menschen an antibiotikaresistenten Keimen, mehr als 33.000 Menschen sterben daran. In Deutschland sind es etwa 2300 Menschen.

Insgesamt sei laut den Wissenschaftler*innen die Belastung durch antibiotikaresistente Bakterien so groß wie die von HIV/AIDS, Grippe und Tuberkulose zusammen. Zudem ist ein beunruhigender Anstieg von Schwererkrankten zu beobachten. [9] Eine Untersuchung, welche 2019 von Germanwatch vorgestellt wurde, belegt die Gefahr durch Nutztiere. 56 Prozent der getesteten Hähnchen wiesen resistente Erreger auf. Bei jedem dritten Hähnchen waren sogar Resistenzen gegen Reserveantibiotika auffindbar. [10]

Die Studienlage zeigt auf, dass die Viehzucht vielfältige und tiefgründige Schäden auf unserem Planeten anrichtet. Es wird Zeit, dass wir aus der Pandemie lernen, Fehler eingestehen und eine Veränderung anstreben. Die vorgeschlagenen Maßnahmen können den ersten Schritt zur Verbesserung beitragen. Dies bestätigt auch das Umweltbundesamt: „Durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 % würde die Nachfrage nach tierischen Produkten spürbar zurückgehen. Das UBA empfiehlt, die Mehrwertsteuerbegünstigung für Fleisch und andere tierische Produkte abzuschaffen. Konkret bedeutet dies, dass für diese Produkte der Mehrwertsteuersatz von 7% auf den regulären Steuersatz von 19 % steigt.“ Diese Forderung vom UBA teilen auch die wissenschaftlichen Beiräte beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung sowie der Sachverständigenrat für Umweltfragen. Das UBA begründet die Forderung: „Der ökologische Fußabdruck tierischer Produkte ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln sehr groß. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgase, während Obst oder Gemüse bei weniger als einem Kilo liegen. Außerdem ist ein „Weiter so“ beim Fleischkonsum auch unter sozialen Aspekten keine Lösung. Denn die Tierhaltung führt zu hohen Folgekosten durch Umweltschäden. Die Gewässerqualität wird z.B. durch zu hohe Gülleausbringung beeinträchtigt und führt zu steigenden Wasserpreisen – diese belasten auch Geringverdiener. Und mit dem Klimawandel bürden wir nachfolgenden Generationen eine große Hypothek auf. Zudem landen derzeit rund 50 % der weltweiten Soja- und Weizenernte in den Mägen von Nutztieren – Tendenz steigend. Dies verknappt global das Angebot von Nahrungsmitteln und treibt die Preise von Grundnahrungsmitteln wie Brot und Reis in die Höhe.“ [11]

Eine neue Studie der Universität Augsburg “Calculation of external climate costs for food highlights inadequate pricing of animal products“ unterstreicht die Argumentation vom UBA. Demnach müsste konventionelles Fleisch 146% und konventionelle Milchprodukte 91% teurer sein, wenn man die Klimafolgen verursachergerecht auf den Preis aufschlagen würde. [12] Auch haben wir uns als Partei schon 2019 auf dem Parteitag dazu bekannt, klimaschädliche Subventionen abzuschaffen:

„Auch wollen wir Zug um Zug die ökologisch schädlichen Subventionen abbauen.“ [13]

Eine neue Befragung von Prof. Latacz-Lohmann zeigt, dass die Mehrheit der 445 befragten Schweinehalter*innen für einen Ausstieg bereit wären. [14] Ausstiegsprogramme werden bereits in den Niederlanden praktiziert. Das Ziel der niederländischen Regierung ist es, die Ammoniak- und Stickstoffbelastungen der Umwelt sowie Geruchsbelästigungen weiter zu reduzieren [15] – ein Thema, bei dem Deutschland noch Aufholbedarf hat, wie die Klage der EU gegen Deutschland zeigt. Aufgrund der Belastung durch Gülle und den damit erhöhten Nitratwerten standen Strafen in Höhe von bis zu 880.000 Euro täglich im Raum. [16]

Das letzte Jahr hat verdeutlicht, wie anfällig für Pandemien [17] und wie menschenverachtend [18] diese Industrie ist. Wir müssen die Massentierhaltung beenden und den Konsum tierischer Produkte drastisch reduzieren. Das ist nicht nur aus ethischen Gesichtspunkten oder zum Wohl unserer eigenen Gesundheit wichtig, [19] sondern explizit bedeutsam um den Klimawandel zu stoppen. Wir müssen dringend Abstand zur Tierwelt nehmen, sonst liegt im schlechtesten Fall die nächste Pandemie [20] schon morgen auf unserem Teller. [21]

„Der aktuelle Grund sollte jetzt sehr überzeugend sein, notwendige Veränderungen in Angriff zu nehmen. Das Problem ist der Fleischhunger in der sich ausweitenden Gesellschaft.“ – Christian Drosten, Virologe [22].

 

[1] Fleischatlas 2014, Heinrich Böll Stiftung

[2] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0140673618317884?via%3Dihub

http://www.fao.org/3/i3437e/i3437e.pdf

https://cgspace.cgiar.org/bitstream/handle/10568/10601/IssueBrief3.pdf

https://directives.sc.egov.usda.gov/OpenNonWebContent.aspx?content=31475.wba

http://www.fao.org/3/a0701e/a0701e00.htm

https://www.epa.gov/ghgemissions/global-greenhouse-gas-emissions-data

https://www.ers.usda.gov/topics/farm-practices-management/irrigation-water-use/background.aspx

Biodiversity and Food Choice: A Clarification

https://oceanservice.noaa.gov/facts/deadzone.html

https://www.scientificamerican.com/article/ocean-dead-zones/

https://www.epa.gov/nutrientpollution/issue

https://www.theguardian.com/environment/radical-conservation/2015/oct/20/the-four-horsemen-of-the-sixth-mass-extinction

https://www.smithsonianmag.com/science-nature/ocean-dead-zones-are-getting-worse-globally-due-climate-change-180953282/

https://www.nature.com/articles/nature01014

[3] The environmental food crisis. United Nations Environment Programme, 2009. S. 27

[4] https://templatelab.com/livestock-and-climate-change/

https://www.independent.co.uk/environment/climate-change/study-claims-meat-creates-half-all-greenhouse-gases-1812909.html

Hyner, Christopher. „A Leading Cause of Everything: One Industry That Is Destroying

Our Planet and Our Ability to Thrive on It“. Georgetown Environmental Law Review. October 23, 2015.

https://www.nature.com/articles/s41586-018-0594-0

[5] https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:ea0f9f73-9ab2-11ea-9d2d-01aa75ed71a1.0003.02/DOC_1&format=PDF S.9

[6] https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/lachgas-methan

https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/lachgas-methan

Shindell, Drew T, et al. „Improved Attribution of Climate Forcing to Emissions“. Science. 326, 716 (2009)

[7] https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/brasilien-eu-importiert-zwei-millionen-tonnen-soja-von-illegal-gerodeten-flaechen-a-b13b308d-1137-4c00-a6a2-765bf9d1c741

https://www.welt.de/politik/article202170476/Fleischkonsum-Wie-wir-Deutschen-den-Regenwald-mit-aufessen.html

[8] https://www.nytimes.com/2017/02/24/business/energy-environment/deforestation-brazil-bolivia-south-america.html?_r=0

Bellantonio, Marise, et al. „The Ultimate Mystery Meat: Exposing the Secrets Behind Burger King and Global Meta Production“. Mighty Earth

Oppenlander, Riachard A. Food Choice and Sustainability: Why Buying Local, Eating Less Meat, and Taking Baby Steps Won’t Work. Minneapolis, MN: Langdon Street, 2013. Print.

[9] https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(18)30605-4/fulltext

Globale Studien:

https://www.fda.gov/media/79581/download

2015 in Review: Animal Antibiotics

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3234384/

https://livablefutureblog.com/2010/12/new-fda-numbers-reveal-food-animals-consume-lion%E2%80%99s-share-of-antibiotics

[10] https://germanwatch.org/de/16437

[11] https://www.umweltbundesamt.de/fuer-klima-umwelt-tierische-produkte-hoeher#ist-der-vorschlag-unsozial-weil-auch-geringverdiener-durch-die-hohere-mehrwertsteuer-fur-tierische-produkte-belastet-werden

[12] https://www.nature.com/articles/s41467-020-19474-6

https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/neuigkeiten/2020/12/15/3448/

[13] B6: Wir bauen unser Land um: sozial, ökologisch, demokratisch, gerecht Wieviel Klimaschutz soll die Sozialdemokratie wagen und welche Rolle hat die Sozialdemokratie in unserem Land bei der Bewältigung dieser Menschheitsaufgabe? S. 22

[14] https://www.topagrar.com/schwein/news/umfrage-mehrheit-der-schweinehalter-waere-bereit-zum-ausstieg-12409738.html

[15] https://www.tagesschau.de/ausland/niederlande-bauern-ausstieg-101.html

https://www.agrarheute.com/politik/niederlande-unterstuetzt-ausstiegswillige-schweinehalter-559948

[16] https://ec.europa.eu/atwork/applying-eu-law/infringements-proceedings/infringement_decisions/index.cfm?lang_code=EN&typeOfSearch=true&active_only=1&noncom=0&r_dossier=&decision_date_from=&decision_date_to=&EM=DE&DG=ENVI&title=&submit=Search

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wie-Nitrat-Grundwasser-belastet,wasser714.html

[17] https://www.tagesschau.de/inland/toennies-coronainfektionen-guetersloh-105.html

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/burgenland/toennies-weissenfels-corona-ausbruch-100.html

https://www.tagesspiegel.de/wissen/66-mitarbeiter-infiziert-corona-ausbruch-in-wiesenhof-schlachterei-in-lohne/26017322.html

[18] https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/toennies-situation-mitarbeiter-100.html

https://www.dw.com/de/das-verschimmelte-heim-der-t%C3%B6nnies-arbeiter/a-53898736

[19] https://www.pnas.org/content/113/15/4146

[20] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/notfall-antibiotika-neue-resistente-keime-aus-china

[21] Weiterführende Informationen und Studien u.a hier zu finden: https://www.cowspiracy.com/facts

[22] https://www.stern.de/gesundheit/virologe-christian-drosten—wir-haben-in-deutschland-einige-vorteile-gegenueber-anderen-laendern–9190450.html

Änderungsanträge
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(noch) nicht behandelt Ä1 zum W5 12 KV Warendorf ergänze in Zeile 12: [die Nutztierhaltung und dessen Erzeugnisse nicht mehr für den Export] und/oder Import [ausgerichtet wird.]