B5 Pflicht-Modulprojekt „Psychische Gesundheit“ in öffentlichen Bildungseinrichtungen

Status:
(noch) nicht behandelt

Die Jusos setzen sich dafür ein, dass in allen öffentlichen Bildungseinrichtungen verpflichtend ein Modulprojekt zum Thema psychische Gesundheit angeboten werden muss. Dieses darf nicht ausschließlich von Lehrenden oder regulären Professor*innen durchgeführt werden, sondern muss von Expert*innen auf dem Gebiet psychischer Gesundheit (Therapeut*innen, Ärzt*innen, Psycholog*innen, Schulsozialarbeiter*innen etc., evtl. auch Psychologiestudierende) begleitet werden. Das Modul soll alle Beteiligten der Einrichtungen für klinisch bedeutsame psychische Störungen (beispielsweise Depression, Burn-Out uvm.) sowie die allgemeine psychische Gesundheit sensibilisieren und Beratungs- und Hilfsangebote aufzeigen. Parallel sollen Orte in den Bildungseinrichtungen geschaffen oder gefördert werden, die das vertrauliche Schildern von Problemen für Schüler*innen/Studierende ermöglichen.

Die Vertrauenspersonen müssen entsprechend sensibilisiert und dahingehend ausgebildet werden, bei Problemen mit klinischer Bedeutsamkeit die Schüler*innen oder Studierende an entsprechende Expert*innen mit Approbation (Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen und Ärzt*innen) weiterzuleiten. Eine Behandlung von psychischen Störungen soll weiterhin ausschließlich von diesen vorgenommen werden In der Pandemie haben sich psychische Probleme bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Kontaktabbrüche, familiäre Situationen und andere Aspekte deutlich verstärkt. Bereits im Juni 2020 wurden bei 31% der 7- bis 17-Jährigen psychische Auffälligkeiten festgestellt.[1]

Die Pandemiesituation verschärft aber nur ein altes Problem: Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen wird häufig vernachlässigt oder missinterpretiert. Dabei ist psychisches Wohlbefinden von genauso hoher Relevanz wie körperliche Gesundheit und wirkt sich auf diese sowie die Interaktion mit anderen Menschen aus. Menschen mit psychischen Störungen sterben 20 Jahre jünger als die allgemeine Bevölkerung.[2]

Seit Jahrzehnten ist daher klar, wie wichtig das Bildungsumfeld auch für die emotionale Entwicklung und psychische Gesundheit ist.[3] Gerade durch Lernstress, Verdichtung sozialer Strukturen und die Stellung von Bildungseinrichtungen als Lebensmittelpunkt wird diese besondere Bedeutung unterstrichen.

Daher sollte es für alle öffentlichen Bildungseinrichtungen (Schulen, Universitäten, etc.) verpflichtend sein, durch Fachpersonal unterstützt für alle Schüler*innen das Modul „Psychische Gesundheit“ zur Sensibilisierung, Unterstützung und Hilfeleistung anzubieten. Eine reine Betreuung durch Lehrende/Professor*innen wäre kontraproduktiv, da festgefahrene soziale Strukturen selbst Teil des Problems sein können und durch das Hinzuziehen von Expert*innen (teilweise) aufgelöst werden könnten. Außerdem ist durch die Vermischung der persönlichen und institutionellen Rolle der Lehrenden[4] das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen vorbelastet.[5] Dies ist in der eindeutig definierten Beziehung zu Expert*innen nicht der Fall[4].

 

[1] Ravens-Sieberer, U; Kaman, A; Otto, C et al. (2020): Mental health and quality of life in children and adolescents during the COVID-19 pandemic – results of the COPSY study. Dtsch Arztebl Int 117:828–829

[2] WHO (2019): Psychische Gesundheit – Faktenblatt. URL: https://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0006/404853/MNH_FactSheet_DE.pdf

[3] Bilz, Ludwig (2008): Schule und psychische Gesundheit. Risikobedingungen für emotionale Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 242

[4] Fabel-Lamala, Melanie; Fetzer, Janina (2014): Vertrauen in Schule(n) – ein Überblick. In: Bartmann, Sylke: Vertrauen in der erziehungswissenschaftlichen Forschung. Opladen/Berlin: Verlag Barbara Budrig, S. 252

[5] Bormann, Inka (2012): Vertrauen in Institutionen der Bildung […]. In: Zeitschrift für Pädagogik 58 6, S. 815